Franz‎ > ‎Erinnerungen‎ > ‎Großeltern-Generation‎ > ‎

Lorystraße 17

Wie und wann genau meine Großmutter das Zinshaus in der Lorystraße 17 erwarb, weiß ich nicht. Sie besaß das Haus, wohnte aber nicht im Haus.

Meine Großeltern wohnten bis 1939 im Haus Herbortgasse 25/Grillgasse 38 und wurden von der NSDAP von dort ausgesiedelt, weil ein benachbarter Schuster und Parteigenosse diese Wohnung für sich reklamiert hatte. Sie sollten in ihr eigenes Haus in der Lorystraße 17 übersiedeln. Dort war aber keine Wohnung frei. Das löste die NSDAP so: der bisherige Direktor der Volksschule Brehmstraße, Herr Patloch, verlor seine Anstellung in der Schule, weil in der Schule nicht mehr in tschechischer Sprache unterrichtet wurde. Herr Patloch und seine Familie mussten ihre Wohnung verlassen und übersiedelten in den 19. Bezirk in die Billrothstraße und meine Großeltern übernahmen dessen Wohnung Tür 7. Mit Familie Patloch verband meine Großeltern eine enge Freundschaft und die Patloch besuchten uns einige Male in unserer "Ranch" in Kritzendorf.

Für meine Großmutter war das praktisch das Berufsende, denn sie konnte den Weg in die Grillgasse wegen ihres angegriffenen Gesundheitszustandes nicht mehr zurücklegen und meine Mutter, die gerade die Berufsschule beendet hatte, übernahm die Geschäftsführung.

Nach dem Krieg mussten meine Großeltern diese Beschlagnahmung ihrer vorherigen Wohnung in der Herbortgasse 25 in einem Prozess anfechten und bekamen 1948 die Räumlichkeiten zurück.

Jedenfalls wohnte ich ein einer Großfamilienwohnung (Eltern und Großeltern) auf Tür 7 (die Wohnung Tür 8 wurde später erworben) bis zu meinem 22. Lebensjahr. 

Zwischen 1966 und 1970 benutzten die "Scotties", eine Band, der auch ich  angehörte, die Kellerwohnung Tür 3 als Probenlokal.

In den 70er Jahren wurde das Haus erstmals generalsaniert. "Paragraf 7" hieß das Verfahren. Die Mieter bezahlten für die Dauer von 10 Jahren einen höheren Mietzins, der zur Abdeckung des Kredits verwendet wurde. 

1973 stellte mir meine Mutter die Wohnung Tür 9 zur Verfügung. Ich wohnte dort zunächst allein, ab 1975 mit meiner Frau Silvia bis 1981.

Auch zwischen 2002 und 2012 wurde das Haus wieder saniert. 

2012 wurden vier frei werdende Wohnungen generalsaniert und in Kategorie A-Wohnungen umgebaut. Finanziert wurde diese Renovierung aus dem Verkaufserlös des Grundstücks in Kritzendorf

Wir besitzen diese Haus also immer noch und hoffen, dass wir es durch die Sanierungsmaßnahmen im Wert erhalten klnnen.
Comments