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Hrdlička

Weder verwandt noch verschwägert und dennoch treue Begleiter unserer Familie. Und ich weiß nicht, worauf ursprünglich diese sehr innige Freundschaft beruhte. Vielleicht einfach darauf, dass sich die Simmeringer Tschechen ohnehin alle untereinander kannten, die einen besser, die anderen weniger.

So beständig diese Beziehung war, so lose war sie auch. Ich weiß zum Beispiel nicht, wann die beiden verstorben sind. Bezeichnend ist, dass ich von den beiden den Vornamen nicht kenne, denn man war per Sie und für mich waren es immer "pan Hrdlička" und "paní Hrdličková", ebenso für meine Eltern und auch Großeltern.

Die ersten Bilder mit Familie Hrdlička sind von einem Ausflug mit meiner Mutter auf die Rax. Meine Mutter war damals, es kann so um 1940 gewesen sein, eine junge Dame und die Hrdlička 

Es war nicht so, dass ich zum Beispiel zu Ihnen auf Besuch hätte kommen können, einfach so. Dazu wohnten sie auch etwas zu weit weg von der Lorystraße. 

Ich weiß aber, dass es unter allen mir bekannten Familien keine so freundliche, höfliche, bescheidene und treue gab wie die Hrdlička.

Immerhin, Herr Hrdlicka war in seiner Berufslaufbahn Direktor bei Kolkoks aber gewohnt haben beide in einem Gemeindebau in der Rinnböckstraße /Pachmayergasse/Dopplergasse/Molitorgasse. 

Für mich das Wichtigste aber war, dass es keinen Besuch bei der Hrdlička gab (oder einen von Ihnen bei uns), bei dem ich nicht ein großzügiges Geldgeschenk bekam. Ein Hunderter war es meist. Ich war das einzige Kind weit und breit und die Hrdlička waren kinderlos. Sie waren fast so etwas wie Ersatzgroßeltern. Vielleicht haben sie auch deshalb immer wieder Kontakt zu meinen Großeltern und Eltern gesucht und mit uns den einen oder anderen Ausflug unternommen. Manchmal auch mit den Simmeringer Tschechen.

Ach ja, "Hrdlička" heißt auf Deutsch "Turteltaube". Und so waren sie auch, die beiden, ein Herz und eine Seele. 

Ich weiß nicht, ob das Bild, dass ich vom Krankenbett von Herrn Hrdlička besitze bereits eines seiner letzten ist. Wahrscheinlich hat es meine Mutter gemacht. Sie wird für die beiden fast so etwas wie eine Tochter gewesen sein. Auf diesem Bild ist Frau Hrdlička die Angst ins Gesicht geschrieben, wogegen ihr Mann, so wie das seine Art war, wohlwollend freundlich lächelte. 
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